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Selbstcheck: Spielt dein Nervensystem bei deinen Schmerzen eine Rolle?

Wenn deine Beschwerden seit Monaten oder Jahren bestehen, ärztlich abgeklärt sind und bisher nichts wirklich geholfen hat, kann dein Nervensystem eine wichtige Rolle spielen. Dann kann diese Arbeit etwas für dich sein.

Der Selbstcheck auf dieser Seite hilft dir in drei Minuten bei der Einordnung – ohne Diagnose, aber mit ehrlichen Hinweisen.

Ist das etwas für mich? Vielleicht erkennst du dich wieder

Die Menschen, die zu mir kommen, haben meist schon viel ausprobiert: Physiotherapie, Spritzen, Medikamente, manchmal auch Psychotherapie oder andere Schmerzkonzepte. Ihre Beschwerden bestehen seit Monaten oder Jahren – Rücken- oder Nackenschmerzen, Schmerzen am ganzen Körper, manchmal auch Tinnitus, Schwindel oder Gehirnnebel.

Sie sind von Arzt zu Arzt gegangen. Die Befunde erklären nicht, warum es so weh tut – oder die Behandlung des Befunds hat nicht geholfen. Oft fühlen sie sich nicht richtig verstanden. Und viele spüren schon, dass es nicht rein körperlich ist, wissen aber nicht, wo sie ansetzen sollen.

Meistens stehen sie mitten im Leben. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sie sagen:

„So kann es nicht weitergehen. Ich will es jetzt selbst in die Hand nehmen.“

Der Selbstcheck: 20 Fragen, 3 Minuten

Vorab: Warnzeichen

Hast du eines dieser Zeichen? Dann lass es bitte zuerst ärztlich abklären, bevor du weiterliest: plötzlicher Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm, Taubheit im Reithosenbereich, neue Lähmungen oder Kraftverlust, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, neue oder zunehmende Schmerzen in der Nacht oder in völliger Ruhe, neue Beschwerden nach einer Tumorerkrankung. Mehr dazu

Gut zu wissen: Schmerzen, die schon lange bestehen und auch nachts oder in Ruhe da sind, sind für sich allein kein Warnzeichen – ein Nervensystem im Alarmzustand kann genau das auslösen. Aufmerksam solltest du werden, wenn sie neu sind, deutlich zunehmen oder zusammen mit anderen Zeichen auftreten.

Beantworte jede Frage mit Ja oder Nein. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Vorab

  1. Hast du eines der Warnzeichen aus dem Kasten oben?

Deine Beschwerden

  1. Haben deine Beschwerden in einer emotional belastenden Lebensphase begonnen?
  2. Oder haben sie in einer schönen oder aufregenden Phase großer Veränderung begonnen – etwa rund um eine Hochzeit, die Geburt eines Kindes, einen Umzug oder eine Prüfungszeit?
  3. Sind deine Beschwerden ohne klare Verletzung oder erkennbaren körperlichen Auslöser entstanden?
  4. Oder sind sie nach einem Unfall oder einer Verletzung geblieben, obwohl die Verletzung längst verheilt sein müsste?
  5. Schwanken sie stark – mal kaum spürbar, mal heftig –, ohne dass du weißt, warum?
  6. Wandern sie, oder haben sie sich auf andere Körperstellen ausgebreitet?
  7. Hast du mehrere Beschwerden gleichzeitig oder nacheinander – etwa Schmerzen, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen oder Ohrgeräusche?
  8. Werden sie stärker, wenn du unter Stress, Druck oder Sorgen stehst?
  9. Gibt es Auslöser, die mit deinem Körper nichts zu tun haben – Wetter, Geräusche, Gerüche oder eine bestimmte Tageszeit?
  10. Treten sie auf beiden Körperseiten gleich auf?
  11. Kommen die Schmerzen manchmal erst Stunden nach einer Bewegung oder Belastung?
  12. Werden sie leichter, wenn du abgelenkt bist, etwas Schönes erlebst oder dich sicher fühlst?

Muster und Geschichte

  1. Gab es in deiner Kindheit oder Jugend belastende Erfahrungen?
  2. Erkennst du dich wieder in Perfektionismus, hohem Pflichtgefühl, dem Wunsch, es allen recht zu machen, oder in viel Ängstlichkeit?
  3. Haben Untersuchungen keine klare Ursache gefunden – oder erklärt der Befund deine Beschwerden nicht ganz?

Anspannung und Umgang mit den Beschwerden

  1. Beobachtest du deine Beschwerden ständig – prüfst immer wieder, ob sie noch da sind oder stärker werden?
  2. Hast du Angst, dass es schlimmer wird oder nie mehr weggeht?
  3. Meidest du Bewegungen oder Aktivitäten aus Sorge vor den Beschwerden – oder drückst du sie im Gegenteil weg und machst weiter, als wäre nichts?
  4. Stehst du oft unter innerer Anspannung und kannst schwer abschalten – etwa weil du nachts grübelst?
  5. Presst oder knirschst du mit den Zähnen – oder hat dir das schon jemand gesagt, etwa deine Zahnärztin oder dein Zahnarzt?
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Dieser Selbstcheck gibt dir eine Orientierung. Er ist kein wissenschaftlich validierter Test, keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Je mehr Fragen du mit Ja beantwortest, desto eher spielt das Nervensystem eine Rolle. Deine Antworten bleiben auf deinem Gerät, es wird nichts gespeichert oder gesendet. Die Fragen orientieren sich an den Anzeichen für neuroplastischen Schmerz, die das Pain Reprocessing Therapy Center beschreibt, am Selbsteinschätzungs-Fragebogen von Dr. David Clarke und Dr. Howard Schubiner und an meinen Erfahrungen aus der Praxis.

Häufige Zweifel

„Gibt es einen Test, ob meine Schmerzen vom Nervensystem kommen?“

Einen einzelnen Test, der das sicher beweist, gibt es nicht – auch nicht per Blutwert oder MRT. Die Einschätzung entsteht aus dem Gesamtbild: dem ärztlichen Befund, dem Verlauf deiner Beschwerden und typischen Mustern wie denen im Selbstcheck oben. In der Forschung gibt es außerdem geprüfte Fragebögen, etwa das Central Sensitization Inventory, von dem es eine validierte deutsche Fassung gibt (Klute u. a., 2021). Der Selbstcheck hier ist eine erste Orientierung; genauer schauen wir im Erstgespräch hin.

„Bilde ich mir das ein? Ist das Kopfsache?“

Nein. Dein Schmerz ist echt – er entsteht im Nervensystem, so wie jeder Schmerz. Viele sagen auch: „Bei mir hat das nichts mit der Psyche zu tun.“ Dahinter steckt meist ein falsches Bild davon, was „Psyche“ bedeutet. Für viele klingt das Wort nach „verrückt“ oder „eingebildet“.

Gemeint ist etwas ganz anderes: Gedanken, Gefühle, Stress, Erfahrungen – alles, was dein Nervensystem jeden Tag verarbeitet. Und dein Nervensystem entscheidet, ob und wie stark du Schmerz spürst. Das macht deine Schmerzen nicht weniger echt. Es heißt nur, dass es mehr Stellschrauben gibt als das Gewebe allein. Du musst davon nicht vorher überzeugt sein – vieles verstehst du erst, wenn du es an dir selbst erlebst.

„Mein Befund zeigt doch etwas – Arthrose, Bandscheibe.“

Ein Befund allein ist kein Grund, dass diese Arbeit nicht passt. Viele Menschen haben solche Befunde, ohne Schmerzen zu haben. Entscheidend ist, ob der Befund deine Beschwerden wirklich erklärt – das schauen wir uns individuell an. Mehr dazu: Warum ein Befund im Bild nicht beweist, dass er die Schmerzen macht.

„Und wenn ich eine Erkrankung habe – Arthrose, Rheuma oder MS?“

Auch dann kann diese Arbeit sinnvoll sein. Der körperliche Anteil der Erkrankung bleibt. Aber oft kommt eine zweite Schicht dazu: Das Nervensystem verstärkt den Schmerz – durch Angst, Anspannung und die ständige Aufmerksamkeit auf den Körper. An dieser zweiten Schicht setzt meine Arbeit an. Sie ersetzt nicht die ärztliche Behandlung, kann aber die zusätzliche Last verringern.

„Warum hat mir das kein Arzt gesagt?“

Das Wissen über neuroplastische Schmerzen ist noch vergleichsweise jung und in der ärztlichen Ausbildung kaum verankert. Viele Ärztinnen und Ärzte sind darauf trainiert, nach einem strukturellen Schaden zu suchen. Findet sich keiner, bleibt oft nur: „Sie sind gesund“ oder „Damit müssen Sie leben.“

„Ich habe schon alles probiert. Das hilft bestimmt auch nicht.“

Das ist der häufigste Grund, warum Menschen nicht anfangen – obwohl sie sich in allem wiedererkennen. Diese Entscheidung kann ich niemandem abnehmen. Was ich geben kann, ist Sicherheit durch eine Begleitung mit jemandem, der sich wirklich für dich interessiert, dich versteht und sich für deine Gesundheit einsetzt.

Ich arbeite nur mit Menschen, bei denen ich überzeugt bin, dass dieser Weg zu ihnen passt. Es geht mir nicht darum, dich zu überzeugen, sondern dir zu zeigen, wozu du fähig bist.

„Ich bin zu alt“ oder „Es besteht schon zu lange.“

Beides ist kein Grund. Das Nervensystem bleibt ein Leben lang formbar – genau das bedeutet „neuroplastisch“. Ein gewisser Glaube daran sollte dabei sein. Der Rest passiert auf dem Weg, den wir gemeinsam gehen.

„Ich habe auch eine Depression.“

Nicht selten entsteht eine Depression erst durch die Schmerzen: weil man sich nicht verstanden fühlt und irgendwann die Hoffnung verliert. Schmerzen und Depression treten häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken; eine Übersichtsarbeit empfiehlt deshalb, beide gemeinsam in den Blick zu nehmen (Bair u. a., 2003). Umso wichtiger ist es, den Schmerz richtig zu verstehen.

Die Behandlung der Depression selbst gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Hände; meine Arbeit ersetzt sie nicht, sondern setzt am Schmerz und am Nervensystem an. Du kannst auch mit einer Depression anfangen, wenn genug Kraft zum Handeln da ist.

„Muss ich meine Therapie oder meine Medikamente aufgeben?“

Nein. Was du parallel weiterführst, entscheiden wir individuell. Medikamente setzt du nie eigenmächtig ab – wenn, dann nach und nach mit ärztlicher Unterstützung.

Wie es weitergehen kann

Vielleicht hast du dich in einigen Punkten wiedererkannt. Dann musst du jetzt nichts entscheiden. Du kannst in Ruhe weiterlesen – zum Beispiel, was neuroplastische Symptome sind oder welche Muster dahinterstecken können.

Wenn du deine Situation lieber mit jemandem anschauen möchtest, der sich damit auskennt, ist ein Gespräch der nächste sinnvolle Schritt. Dafür musst du nichts vorbereiten, keine Unterlagen mitbringen und nicht überzeugt sein. Wichtig ist nur, dass deine Beschwerden ärztlich abgeklärt sind.

Wie es danach weitergehen kann, ist individuell. Es gibt nicht das eine Programm für alle, sondern verschiedene Möglichkeiten – je nachdem, was deine Situation braucht und was für dich machbar ist. Das finden wir im Gespräch gemeinsam heraus.

Wenn du gerade in einer akuten seelischen Krise steckst, geht Stabilisierung vor – bei Ärztin, Arzt oder Psychotherapie. Hast du Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, hol dir bitte sofort Hilfe: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenfrei), in Österreich 142, in der Schweiz 143. Im Notfall: 112.

Weiterlesen: Wer hilft bei chronischen Schmerzen ohne klaren Befund? · Schmerzen trotz Behandlung · Neuroplastische Symptome · Warum ausgerechnet ich?

Wenn du wissen willst, ob es für dich passt

Im kostenlosen Erstgespräch finden wir gemeinsam heraus, ob diese Arbeit zu dir passt – ehrlich, auch wenn der nächste Schritt ohne mich stattfindet.

Kostenloses Erstgespräch 30 Minuten · telefonisch · unverbindlich

Quellen

  1. Klute M, Laekeman M, Kuss K, Petzke F, Dieterich A, Leha A, Neblett R, Ehrhardt S, Ulma J, Schäfer A (2021): Cross-cultural adaptation and validation of the German Central Sensitization Inventory (CSI-GE). BMC Musculoskeletal Disorders 22: 708. PubMed
  2. Bair MJ, Robinson RL, Katon W, Kroenke K (2003): Depression and pain comorbidity: a literature review. Archives of Internal Medicine 163(20): 2433–2445. PubMed
  3. Pain Reprocessing Therapy Center: Pain Reprocessing Therapy FAQs – „How do I know if I have neuroplastic pain?“ und „Can PRT still benefit me if my pain is caused by a physical issue or disease?“. painreprocessingtherapy.com
  4. Clarke D, Schubiner H: Psychophysiologic Disorders Self-Assessment Questionnaire. pnsnetwork.org
Paul Reinborn

Paul Reinborn

Physiotherapeut und sektoraler Heilpraktiker (Physiotherapie). Begleitet Menschen mit chronischen und neuroplastischen Beschwerden 1:1 online und in seiner Praxis in Baden-Baden.

Mehr über meine Arbeit

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2026